„Heilige Familie“ (Galater 4,4-7)

Es ist Weihnachten geworden. Quasi über Nacht hat uns das Fest eingeholt. Gestern wurde in den meisten Familien gefeiert und gemeinsam gegessen. Weihnachtslieder wurden gesungen und die Leute haben einfach Zeit miteinander verbracht.

Weihnachten ist ein klassisches Familienfest. Da kommen die erwachsenen Kinder endlich mal wieder zuhause vorbei. Großeltern werden an den Feiertagen besucht und auch sonst trifft man sich als Familien in ganz unterschiedlichen Konstellationen. Die Menschen tun sich dafür zusammen.

Dabei wird Altbekanntes aufgewärmt, aber auch Neuigkeiten ausgetauscht. So mancher Riss, der in der Vergangenheit durch die Familie lief, wird gekittet, während es bei anderen neben aller Feierlaune vielleicht auch mal Krach gibt. Ja, Weihnachtszeit ist eben Familienzeit.

Man kann dazu stehen wie man will: Die einen finden es wunderbar und genießen diesen seltenen Moment von Gemeinschaft. Andere nervt das total an und sie bleiben ganz bewusst allein oder zu zweit an diesen Tagen. Vor allem den Jugendlichen geht das Familiäre irgendwann zu weit und sie suchen so schnell wie möglich eine gute Ausrede, um mal weg zu kommen, wieder unter die Freundinnen und Freunde.

Egal wie wir das jeweils finden, egal ob wir es genießen oder eher Familienmuffel sind, es gibt gute Gründe, warum an Weihnachten die Familie im Mittelpunkt steht. Im Predigttext für den Ersten Weihnachtstag wird erklärt, warum das so ist. Im vierten Kapitel des Galaterbriefs heißt es:

Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen. Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater! So bist du nun nicht mehr Knecht, sondern Kind; wenn aber Kind, dann auch Erbe durch Gott.

Ihr seht: Das Weihnachtsgeschehen ist eine Familienangelegenheit im besonderen Sinne! Gott hat seinen Sohn geschickt, der von einer Frau geboren wird. Und dieser Sohn macht uns alle zu Kindern, die dann zu Gott „Vater“ sagen können. Wenn das mal keine Familienbande ist…

Der Sohn, das ist das Christkind in der Krippe. Ein echter Mensch mit Gefühlen und Hoffnungen, von seiner Mutter Maria unter Schmerzen zur Welt gebracht. Übrigens ist hier mit keinem Wort von der Jungfrau die Rede. „Von einer Frau geboren“ – das ist entscheidend, und nicht ob sie noch Jungfrau war. Dieses Kind ist auch so etwas Besonderes. Wie jedes Kind, das geboren wird, bringt es den Zauber des Lebens mit sich.

Jesus war kein überirdisches Geistwesen, er war einer von uns. Er teilte unser Schicksal mit allen Konsequenzen. In einem armseligen Stall, zu schlechtesten Bedingungen, im hintersten Winkel des römischen Weltreiches beginnt die Familienzeit Gottes. Gott kommt in unserer Welt. Das war von Anfang an kein Triumphzug.

In seinem Leben wird dieses Christkind die Menschen erlösen. Es wird sie frei machen vom Gesetz, von den so genannten „Sachzwängen“ dieser Welt. Indem es vom Reich Gottes erzählt, von dieser ganz anderen Wirklichkeit, in der es nicht so zugeht wie bei uns.  Es ist eine Wirklichkeit, wo die Ersten die Letzten und die Letzten die Ersten sind. Wo Trauernde getröstet werden. Wo die Sanftmütigen nicht hinten runter fallen und die Friedensstifter das Sagen haben. Wo es nicht darauf ankommt, was wir besitzen, sondern dass wir leben. Eine Wirklichkeit in der nicht das Gesetz des Marktes regiert, sondern die Gerechtigkeit. Wo nicht der harte Wettbewerb herrscht, sondern der Wert eines jeden Menschen zählt.

Das Christkind in der Krippe wird zum Mann am Kreuz. Und dieser Jesus, dessen Geburtstag die halbe Menschheit heute feiert, hat ganz konkret gezeigt, was Gottes Wirklichkeit ist und was Gott mit uns Menschen noch vorhat. Und wer ihm das glaubt, wer ihm und seiner Botschaft vertraut, der wird sein Bruder und seine Schwester. Der wird ein Teil der Familie Gottes.

Man kann sagen, Jesus hat uns Menschenkinder daran erinnert, dass wir auch Gotteskinder sind. Wir waren es schon lange und sind es immer geblieben. Aber wie das manchmal so ist mit Familienverhältnissen, da kann man das schon mal vergessen, weil es ja fast schon selbstverständlich ist. Er brauchte uns wirklich nur daran zu erinnern, dass wir zu Gott gehören. So erlöst uns das Christkind, der Mann am Kreuz, von den Gesetzen dieser Welt, die von Menschen gemacht sind. Die uns vorschreiben, was wir nicht alles haben müssen und machen sollen, damit wir etwas wert sind.

So macht uns der Gottessohn zu Söhnen und Töchtern Gottes. In der Taufe bekommen wir seinen Namen. Wir sind Teil einer großen Familie, die über Ländergrenzen hinweggeht. Eine Familie, die viele Sprachen spricht und viele Kulturen kennt.

Aber wie das so in Familien ist, gibt es auch in der Gottesfamilie hin und wieder mal Streit. Es wird gestritten darüber, wie wir unserem Bruder Jesus Christus glauben können und was es überhaupt bedeutet, ein Mitglied der dieser Familie zu sein. Und manche wollen schon lieber gar nicht mehr dazugehören. Wollen nichts mit dieser Familie zu tun haben. Sie alle haben sicher ihre guten Gründe: persönliche Verletzungen, schlechte Erfahrungen mit einzelnen Geschwistern oder sie sind ganz einfach in einer anderen Lebensphase, wo die Familie nicht so eine große Rolle spielt.

Das kommt in den besten Familien vor. Aber auch hier gilt: Die Beziehung bleibt bestehen. Wir bleiben immer Teil unserer Familie, ob wir wollen oder nicht. Wir bleiben Söhne und Töchter, Brüder und Schwestern. Und so ist das auch in der Gottesfamilie: Wenn an Heilig Abend die Kirche überfüllt ist mit Menschen, die schon lange nicht mehr da waren, dann sind sie doch alle wieder beisammen. Wenn wir die Weihnachtsgeschichte hören und miteinander „O du fröhliche“ singen, dann gibt es keine Stiefkinder, keine zu kurz Gekommenen oder zu selten Kommenden. Dann ist die Gottesfamilie beisammen.

Natürlich hinkt der Vergleich wischen dem Christentum und der Familie. Ihr habt es vielleicht auch schon gedacht. Denn „Familie ist, wo ich nicht rausgeworfen werden kann“ (M. Domsgen). In meine leibliche Familie werde ich hineingeboren, die kann ich mir nicht aussuchen. Aber Gott hat mich ausgesucht, uns alle hier. Gott ist aus Liebe Mensch geworden – das Kind in der Krippe, der Mann am Kreuz. Und indem Gott jede und jeden von uns mit dieser wunderbaren Liebe beschenkt, gehören wir Menschen auch zueinander. Weil Jesus unser Menschenbruder geworden ist, sind wir alle Gotteskinder. Wir alle dürfen „Abba, lieber Vater“ sagen. Wir alle sind miteinander verwandt.

Es ist Weihnachtszeit. Und es wird Zeit, dass die Menschen in dieser Welt ein bisschen mehr davon erleben. Davon, dass wir alle Geschwister sind und eine große Freiheit in uns tragen. Die Freiheit dazuzugehören zu der Familie Gottes.

Als aber die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen. Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft: Abba, lieber Vater! So bist du nun nicht mehr Knecht, sondern Kind; wenn aber Kind, dann auch Erbe durch Gott.

Amen.

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