Was guckst du (in den Himmel)? Apg 1,4-11

Einmal, als Jesus mit den Aposteln zusammensaß,
schärfte er ihnen ein:
»Verlasst Jerusalem nicht!
Wartet darauf,
dass in Erfüllung geht,
was der Vater versprochen hat.
Ihr habt es ja schon von mir gehört:
Johannes hat mit Wasser getauft.
Aber ihr werdet in wenigen Tagen
mit dem Heiligen Geist getauft werden.«
Da fragten ihn die Versammelten:
»Herr, stellst du dann
das Reich für Israel wieder her?«
Jesus antwortete ihnen:
»Ihr braucht die Zeiten und Fristen nicht zu kennen.
Mein Vater allein hat sie in seiner Vollmacht festgelegt.
Aber wenn der Heilige Geist auf euch herabkommt,
werdet ihr Kraft empfangen.
Dann werdet ihr meine Zeugen sein –
in Jerusalem,
in ganz Judäa und Samarien
und bis ans Ende der Erde.«
Nach diesen Worten
wurde er vor ihren Augen emporgehoben.
Eine Wolke nahm ihn auf,
sodass sie ihn nicht mehr sehen konnten.
Die Apostel starrten wie gebannt zum Himmel,
während er verschwand.
Und sieh doch:
Da standen zwei weiß gekleidete Männer bei ihnen.
Die sagten:
»Ihr Männer aus Galiläa,
was steht ihr da
und schaut zum Himmel?
Dieser Jesus wurde aus eurer Mitte
in den Himmel aufgenommen.
Er wird auf dieselbe Weise wiederkommen,
wie er vor euren Augen zum Himmel weggegangen ist.«

BasisBibel

„Was steht Ihr da und schaut zum Himmel?“ fragen zwei weiß gekleidete Männer die Jünger. Was steht ihr da und glotzt in den Himmel? Ich fühle mich ertappt und denke: Ja, gute Frage! Warum stehen wir hier, unter freiem Himmel?

Naja, frische Luft und Abstand sind doch das Gebot der Stunde. Und außerdem heißt es ja „Himmelfahrt“. Da wird man heute ja wohl nochmal in den Himmel gucken dürfen, oder? Aber wenn ich es recht überlege, ist diese Szene sehr eindrücklich: Da stehen Leute mitten auf der Straße und schauen in den Himmel. Sie wirken ziemlich perplex. Sind gar nicht richtig bei sich.

Sie schauen Jesus hinter. Dem, der ihr Freund war. Der ihnen gezeigt hat, worum es eigentlich geht im Leben. Worauf es ankommt. Und wie man damit ganz einfach auch Gott nahe sein kann, hier auf Erden. Sein ganzes Leben hat Jesus den Menschen versucht, das nahe zu bringen. Mit seinen Geschichten und Gleichnissen. Auch mit seinen Handlungen. Seinen Zeichen. Und schließlich mit Tod und Auferstehung.

Aber jetzt? Stairway to heaven. Weg ist er! Und so richtig verstehen können die Jüngerinnen und Jünger es (noch) nicht. Also starren sie ihm nach, glotzen in den Himmel.

Und, ganz ehrlich, ich komme mir in diesen Zeiten manchmal auch so vor, wie die Jünger am Himmelfahrtstag: Alles, was ich bisher im Leben dachte verstanden zu haben, worauf es ankommt, was wirklich zählt, das geht schon lange nicht mehr so. Zum Beispiel Gemeinschaft haben, Zusammenhalten, miteinander Sachen Erleben, so schlichte Dinge wie sich berühren, in den Arm nehmen, oder einfach mal zusammen Singen – das geht gar nicht!

Ja, und dann stehe ich heute da und schaue in den Himmel. Ziemlich regnerisch heute. Wie soll das denn alles noch werden, frage ich mich.

Ach ja, fest vergessen: Da sind ja noch die beiden Männer in Weiß. Sie sagen den verdutzten Jüngern, dass Jesus wiederkommen wird. Dass er genauso wieder bei ihnen sein wird. Aber bis dahin schaut doch lieber auf die Erde. „Schaut hin“ (übrigens das Motto des Ökumenischen Kirchentags, der heute und das ganze Wochenende im Internet stattfindet). Schaut doch mal hin, nicht nach oben, wo ihr eh nichts seht bei all den Wolken.

Nein, schaut euch doch mal um. Hier unten spielt die Musik, zumindest der Posaunenchor. Hier unten bei den Menschen, da müsst ihr gucken. Nicht in den Himmel. Schaut eure Mitmenschen an. Schaut ihnen ins Gesicht, Maske hin oder her. Bei ihnen erlebt ihr die Geschichten von Jesus hautnah. Hier könnt ihr erfahren, um was es wirklich geht. So wie Jesus es euch gezeigt hat. Oder zumindest versucht hat.

Und dann zucke ich zusammen. Die beiden Unbekannten haben Recht: Es ist ja nicht so, als würden wir wegen der Pandemie nicht verantwortungsvoll miteinander umgehen. Nein, im Gegenteil. Worum es eigentlich geht in unserem Miteinander, aber auch im Miteinander mit Gott, das versuchen die meisten von uns ja tagtäglich mit Leben zu füllen. Gerade in der Pandemie!

Wenn wir behutsam miteinander umgehen. Rücksicht nehmen. Wenn wir uns unsere Ecken und Kanten gegenseitig nicht allzu krumm nehmen. Wenn wir – auch wenn’s manchmal schwerfällt – einander großzügig begegnen, gnädig. Es sind meist nur wenige, die gegen alles wettern und gegen andere hetzen. Sich empören und aufregen. Es sind wenige, aber sie sind laut.

Und dann muss ich mich manchmal daran erinnern lassen, dass die große Mehrheit der Menschen in unsere Land aber auch anderswo vernünftig und verantwortungsvoll mit der ganzen schwierigen Situation umgeht. Schaut hin. Jetzt bin ich den beiden Männer in Weiß doch sehr dankbar, an diesem Himmelfahrtstag. Denn sie erinnern mich und uns daran, dass der Blick auf die Erde gehen muss, um Jesus zu finden.

Hier unten können wir erleben, was er gemeint hat: Selig sind, die Leid tragen. Selig die Sanftmütigen. Selig die Barmherzigen und die, die Frieden stiften. So einfach kann es sein. Himmel auf Erden. Hier unten. Auch und gerade in solchen besonderen Zeiten wie heute.

Amen.