Der Anfang vom Ende des Endes (Mt 21,1-11)

Als sie nun in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage an den Ölberg, sandte Jesus zwei Jünger voraus und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf, das vor euch liegt. Und sogleich werdet ihr eine Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr; bindet sie los und führt sie zu mir! Und wenn euch jemand etwas sagen wird, so sprecht: Der Herr bedarf ihrer. Sogleich wird er sie euch überlassen.
Das geschah aber, auf dass erfüllt würde, was gesagt ist durch den Propheten, der da spricht (Sacharja 9,9): »Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.«
Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und brachten die Eselin und das Füllen und legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich darauf. Aber eine sehr große Menge breitete ihre Kleider auf den Weg; andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg.
Das Volk aber, das ihm voranging und nachfolgte, schrie und sprach: Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe! 
Und als er in Jerusalem einzog, erregte sich die ganze Stadt und sprach: Wer ist der? Das Volk aber sprach: Das ist der Prophet Jesus aus Nazareth in Galiläa.

Mt 21,1-11 (Luther 2017)

Es ist Palmsonntag.
Der Auftakt zur Karwoche,
zur Woche der Wahrheit
für die Kirche,
für das Christentum
ja für die ganze Welt.

Am Ende dieser Woche
wartet das Kreuz,
die Grabesruhe
und dann – wir ahnen es schon:
das leere Grab.

Es ist die zentrale Botschaft,
sowas wie der Kern unseres Glaubens:
Am Ende einer langen Reise durch Galiläa,
durch die Welt, ja durch das Leben
steht nicht der Tod.
Nicht das Scheitern.
Am Ende dieser Reise schimmert
das zaghafte Licht der Auferstehung.

Doch zunächst: Palmsonntag.
Die Geschichte kennen die meisten noch aus der Kindheit.
So klar sind die Bilder und doch so verstörend:
In einem seltenen Moment scheint Jesus seine Verehrung zu provozieren!
Wie ein König reitet er durch das Stadttor nach Jerusalem ein.
Lässt sich huldigen von der Menschenmenge,
die da zusammengelaufen kommt.

Aber was für ein Kontrast!
Jesus inszeniert seinen Auftritt
als krasses Gegenprogramm
gegen die Machtdemonstration,
wie die Leute sie von den römischen Herrschern gewohnt sind.
Auf einem Esel!
Das ist eher Parodie und Straßentheater als Huldigung.
Und es spricht Bände.
Es zeigt die alternative
Machtordnung Gottes:
Jesus steht für eine Macht,
die Menschen nicht wegsperrt,
die keine Schätze hortet oder
andere Länder erobert.

Nein das hier ist kein triumphaler Einzug.
Es ist mehr eine prophetische Handlung,
wie sie im Alten Testament
schon bei Sacharja
beschrieben wird.
„Siehe, dein König kommt zu dir!
Arm und reitet auf einem Esel.“

Die Menschen winken mit Palmzweigen.
Sie legen ihm ihre Kleider zu Füßen.
Es wirkt – vielleicht – wie ein Triumph.
Aber es ist der Anfang vom Ende des Endes.
Nach dem Fest, das sie feiern wollen,
wird Jesus nicht mit seinen Freunden nach Hause zurückkehren.
Auf ihn warten Folter und Kreuz.
Und damit der Tod.

Aber so wie es bei Jesus war auf seiner Reise,
auf seiner Mission:
Er wird auch jetzt die Machtverhältnisse umdrehen.
So wie er seine Freundschaft anbot den Ausgestoßenen,
den „Unreinen“,
ja den „Unheiligen“,
mit denen niemand mehr rechnete.
Den Abgeschrieben
brachte er Respekt und Achtung entgegen.
Und das Reich Gottes, das er verkündet,
gilt genau ihnen.
Denen mit zerbrochenem Herzen,
den Trauernden und Verlassenen.
Denen die einsam am Fenster sitzen
oder nicht wissen,
was sie mit ihrem Leben noch anfangen sollen.

Mit ihnen und für sie geht er auf diese Reise.
Mit uns und für uns
macht er sich auf den Weg
zum Kreuz.

Palmsonntag, der Anfang vom Ende des Endes.
Am Ende verliert
der Tod seinen Schrecken.
Am Ende siegt
die Liebe.

Amen.